Griechische Wissenschaft auf Arabisch: Bagdads Jahrhundert der Übersetzer (830)
Um 830 verfügte die größte Stadt westlich von Chang'an über eine Münzstätte, ein Kanalsystem und eine kaiserliche Post – und über kein einziges Buch der Geometrie, der Medizin oder der Logik in der eigenen Sprache. Binnen zweier Jahrhunderte war nahezu die gesamte weltliche wissenschaftliche Bibliothek der Griechen gekauft, bestritten und ins Arabische gebracht: überwiegend von Christen, überwiegend über das Syrische, zu Honoraren, die das Übersetzen zu einem der bestbezahlten Gewerbe Bagdads machten. Es war keine Bewahrung, und es geschah nicht in einem Haus der Weisheit.
827 oder 828 vollendete ein Übersetzer namens al-Ḥajjāj ibn Yūsuf ibn Maṭar für den Kalifen al-Maʾmūn die arabische Fassung der Mathematischen Syntaxis des Ptolemaios. Jede Sprache Europas nennt dieses Buch heute Almagest, nach al-Ḥajjājs arabischem Titel. Das Sinnbild trifft zu: Zwischen den 780er Jahren und etwa dem Jahr 1000 wurde beinahe die gesamte weltliche wissenschaftliche Bibliothek der griechischen Welt – Aristoteles, Galen, Euklid, Ptolemaios, Archimedes, Hippokrates, Apollonios, Dioskurides – Buch für Buch von Kalifen, Wesiren und wohlhabenden Ärzten in Auftrag gegeben und überwiegend von nestorianischen, jakobitischen und melkitischen Christen übersetzt, die auf syrischen Fassungen arbeiteten, welche ihre eigenen Kirchenschulen drei Jahrhunderte zuvor angefertigt hatten. Vier Monate vor seinem Tod ließ derselbe Kalif jeden Richter seines Reiches über einen Lehrsatz verhören.
Davor: ein Reich, das alles besaß außer dieser Bibliothek
Im Jahr 762 ließ der Kalif al-Manṣūr am Westufer des Tigris eine runde Stadt abstecken und nannte sie die Stadt des Friedens. Vierzig Jahre später war sie die größte Stadt westlich von Chang'an. Sie hatte eine Münzstätte, ein Kanalsystem, einen von den Sasaniden übernommenen postalischen Nachrichtendienst, eine Gerichtsbarkeit, ein stehendes Heer aus Chorasan und einen Hof, der alles bezahlen konnte, was er wollte. Was sie nicht hatte, war ein einziges Buch der Geometrie, der Medizin, der Astronomie oder der Logik auf Arabisch. Kein einziges. Die Sprache des Korans, der größten damals irgendwo auf der Erde entstehenden Lyrik und einer Reichskanzlei, die ein Gebiet vom Indus bis zum Atlantik verwaltete, besaß kein Wort für Hypotenuse, kein Wort für Syllogismus, kein Wort für Arterie und keine Prosa, in der solche Wörter hätten gebraucht werden können 1.
Auf dieser Tatsache beruht der Eintrag, und sie lässt sich leicht falsch formulieren. Sie besagt nicht, dass die Araber von 762 ungebildet gewesen wären. In ihren eigenen Wissenschaften waren sie furchteinflößend gelehrt, und zwar systematischer als jede lateinkundige Bevölkerung derselben Zeit. Sie besagt etwas Engeres und Merkwürdigeres: dass eine bestimmte Bibliothek existierte, auf Griechisch und auf Syrisch, wenige hundert Kilometer nördlich und westlich, und dass jene, die das größte Reich der Welt regierten, sie nicht gelesen hatten.
Die Wissenschaften, die die Araber bereits besaßen
Die einheimischen arabischen Wissenschaften des 8. Jahrhunderts waren vollständige Disziplinen mit eigenen Methoden, eigenen Kontroversen und einem eigenen Berufsstand. Sie waren die Vorbereitung auf nichts. Sie waren fertige Arbeit.
- Grammatik und Lexikographie. Al-Khalīl ibn Aḥmad al-Farāhīdī (gest. um 791) verfasste in Basra das Kitāb al-ʿAyn, das erste arabische Wörterbuch, geordnet nach dem phonetischen Artikulationsort statt alphabetisch, und kodifizierte die quantitativen Versmaße der arabischen Dichtung. Sein Schüler Sībawayh, ein um 796 gestorbener Perser, schrieb al-Kitāb – rund neunhundert Seiten Syntax, Morphologie und Phonologie, nach seinem frühen Tod von seinem eigenen Schüler al-Akhfash al-Awsaṭ herausgegeben. Es ist eine der großen analytischen Leistungen der Sprachwissenschaftsgeschichte, und sie entstand ohne jede griechische Zutat 2.
- Ḥadīth-Kritik. Eine Disziplin der Quellenbewertung, aufgebaut auf dem Isnād, der Überliefererkette, die biographische Lexika von Zehntausenden namentlich genannter Personen verlangte, mit Daten, Lehrern, Wohnorten und Zuverlässigkeitsurteilen. Nichts im griechischen Korpus gleicht dem.
- Jurisprudenz. Abū Ḥanīfa starb 767, Mālik ibn Anas 795, al-Shāfiʿī 820. Der formale Apparat des islamischen Rechtsdenkens – Analogieschluss, Konsens, die Hierarchie der Quellen – wurde genau in jenen Jahrzehnten ausgearbeitet, in denen die ersten griechischen Bücher in Auftrag gegeben wurden, und zwar von Männern, die sie zumeist nie lasen.
- Genealogie, historischer Bericht, Dichtung und jene weite Mischliteratur, die später adab heißen sollte. Bagdads literarische Kultur war in keiner Weise provinziell.
M. G. Carters Beobachtung zu Sībawayh ist die, die man behalten sollte: Die arabische Grammatikwissenschaft ging aus Methoden hervor, die innerhalb des islamischen Rechtsdenkens entwickelt wurden, und nicht aus irgendeinem griechischen Vorbild, und ihre Fachsprache ist einheimisch 2. Als die griechische Logik schließlich eintraf, traf sie als Konkurrentin einer bereits bestehenden Sprachwissenschaft ein, und so wurde sie auch aufgenommen. Aus diesem Zusammenstoß entstand das berühmteste geistige Schaustück des 10. Jahrhunderts, und darauf wird zurückzukommen sein.
Die Bibliotheken nebenan
Was Bagdad fehlte, besaßen seine Nachbarn. Drei von ihnen, in drei Sprachen.
Die syrische Welt las Aristoteles seit zweihundert Jahren. Sergius von Reshʿaynā, ein 536 gestorbener Priester und Arzt, der bei Ammonios an der neuplatonischen Schule von Alexandria studiert hatte, verfasste die erste Darstellung des Aristoteles in einer semitischen Sprache und übersetzte rund dreißig Traktate Galens ins Syrische, dazu das pseudoaristotelische De mundo und die Schrift Über die Prinzipien des Alls des Alexander von Aphrodisias 3. Die Klosterschule von Qenneshre am Euphrat lehrte den alexandrinischen Logikkanon ununterbrochen durch die Perserkriege, die arabische Eroberung und das umayyadische Jahrhundert hindurch. Sebastian Brocks Formel für das, was in diesen Jahrhunderten geschah, ist die maßgebliche: Die Haltung der syrischen Christen zur griechischen Gelehrsamkeit bewegte sich „vom Antagonismus zur Assimilation“ 4. Um 750 gab es einen funktionierenden Fachwortschatz der Logik in einer semitischen Sprache und Männer, die ihn beruflich gebrauchten.
Die sasanidische Welt besaß in Gundischapur in Chuzestan eine Tradition von Medizinschule und Krankenhaus, deren Ärzte – vor allem die Familie Bukhtīshūʿ – nach Bagdad übersiedelten und die Leibärzte der Kalifen wurden, eine Dynastie von Hofmedizinern über acht Generationen 8. Sie besaß zudem eine beträchtliche weltliche Literatur auf Mittelpersisch, von der auf Mittelpersisch fast nichts erhalten ist.
Die griechische Welt, in Gestalt des byzantinischen Staates, besaß die Bücher, hatte aber weitgehend aufgehört, die fachlichen zu lesen. An dieser Stelle schiebt die populäre Erzählung gewöhnlich ein Kompliment an den Islam und eine Beleidigung Byzanz' ein; die Wahrheit ist nüchterner. Die weltliche griechische Wissenschaft des 8. Jahrhunderts war nicht zerstört, sondern ruhend, verwahrt in Kloster- und Hofbibliotheken von Menschen, deren geistige Energie in Theologie und Recht floss.
Die Umayyaden, die bis 750 von Damaskus aus herrschten und eine noch weit überwiegend christliche und griechischsprachige Bevölkerung regierten, machten damit fast nichts. Einige pseudoaristotelische Briefe über das Königtum wurden für die Kanzlei Hishāms ibn ʿAbd al-Malik (reg. 724–743) von dessen Sekretär Sālim Abū l-ʿAlāʾ ins Arabische gebracht, und Verwaltungsschriftgut wurde vom Griechischen ins Arabische überführt, während man die Steuerregister arabisierte. Das ist beinahe alles. Es hält sich die Erzählung, der umayyadische Prinz Khālid ibn Yazīd (gest. um 704) habe die ersten Übersetzungen griechischer Alchemie veranlasst; Gutas hält sie für eine spätere Erfindung, und sie überlebt die Berührung mit den Quellen nicht 1. Das ist erwähnenswert, weil es den Gedanken erledigt, die Nähe zu griechischen Büchern habe genügt. Die Umayyaden hatten die Nähe. Sie hatten keinen Grund.
Das Papier und der Verfall des Buchpreises
Nichts davon hätte eine Übersetzungsbewegung hervorgebracht ohne eine Veränderung der Schreibkosten. Papyrus war ein ägyptisches Monopol und zerbrechlich; Pergament setzte eine Herde voraus. Die chinesische Papiertechnik erreichte die östlichen islamischen Länder im 8. Jahrhundert, und in den 790er Jahren arbeiteten in Bagdad Papiermacher unter der Förderung der Wesirsfamilie der Barmakiden. Jonathan Blooms Nachweis lautet, dass das Papier Bücher nicht nur verbilligte; es machte eine bestimmte Art von Buch – lang, in Prosa, fachlich, stark überarbeitet, in mehreren Abschriften hergestellt – im Nahen Osten erstmals wirtschaftlich denkbar 5. Eines der ältesten erhaltenen Stücke arabisch gefertigten Papiers ist bezeichnenderweise eine griechische Handschrift patristischer Texte, um 800 in Damaskus abgeschrieben.
Eine Übersetzungsbewegung ist ein industrieller Vorgang. Sie braucht Nachschub an Ausgangstexten, Nachschub an ausgebildeten Zweisprachigen, Nachschub an zahlenden Kunden und einen billigen Beschreibstoff. Um 790 hatte Bagdad alle vier.
Die Übertragung: zwei Jahrhunderte, drei Sprachen, eine Lohnliste
Das sasanidische Argument für die Lektüre der Griechen
Dass die Abbasiden griechische Bücher wollten, lag nicht daran, dass sie Griechenland bewunderten. Es lag daran, dass sie ein Argument von jener Dynastie geerbt hatten, die sie verdrängt hatten.
Die sasanidische Reichsideologie hielt fest, die alten persischen Könige hätten die Gesamtheit des Wissens besessen; Alexander habe bei der Zerstörung ihres Reiches ihre Bücher zerstreut und geraubt; die Griechen hätten lediglich übersetzt, was sie erbeutet hatten; und ein rechtmäßiges iranisches Reich sei daher verpflichtet, den Stoff wieder einzusammeln. Al-Manṣūrs Hofastrologe Abū Sahl ibn Nawbakht legte dieses Argument ausdrücklich dar, und Dimitri Gutas' Rekonstruktion zeigt das gesamte frühabbasidische Übersetzungsprogramm auf ihm laufen 1. Aristoteles ins Arabische zu übersetzen war kein Akt kultureller Demut. Es war, in den Worten des Hofes, eine Rückführung.
Al-Maʾmūn (reg. 813–833) fügte eine zweite Schicht hinzu, gerichtet gegen Konstantinopel. Die Byzantiner hätten, so die Darstellung, ihr eigenes philosophisches Erbe aus christlicher Feindseligkeit aufgegeben und dadurch verwirkt; das Kalifat sei der rechtmäßige Erbe der griechischen Vernunft. Ibn al-Nadīm bewahrt die Erzählung vom Traum al-Maʾmūns, in dem Aristoteles ihm sagt, Vernunft und Offenbarung widersprächen einander nicht, woraufhin der Kalif beim byzantinischen Kaiser um Bücher schickt 7. Als Biographie gelesen ist das eine hübsche Anekdote. Als das gelesen, was es ist – eine amtliche Erzählung, in Umlauf gebracht, um eine Ausgabe zu rechtfertigen –, ist es ein politisches Grundsatzpapier.
Das Haus der Weisheit und was es nicht war
Hier trennt sich der Eintrag von der populären Darstellung und von der einzeiligen Beschreibung im redaktionellen Kalender dieses Atlas selbst.
Nahezu jede allgemeine Darstellung behauptet, die griechischen Werke seien im Bayt al-Ḥikma übersetzt worden, dem Haus der Weisheit, einer von al-Maʾmūn gegründeten großen Forschungsakademie. Die Belege tragen das nicht. Gutas und Kevin van Bladel rekonstruieren in der Encyclopaedia of Islam THREE das bayt al-ḥikma als Palastbibliothek, höchstwahrscheinlich unter al-Manṣūr nach sasanidischem Vorbild als Verwaltungsbüro eingerichtet, deren Aufgabe die Verwahrung von Übersetzungen sasanidischer Geschichte und Kultur aus dem Mittelpersischen war. Gutas' Satz ist unumwunden: Es sei „gewiss kein Zentrum für die Übersetzung griechischer Werke ins Arabische“ gewesen, und die griechisch-arabische Übersetzungsbewegung habe mit seinen Tätigkeiten im Wesentlichen nichts zu tun gehabt 16.
Die Gegenposition verdient ein faires Gehör, denn sie ist nicht leichtfertig. Marie-Geneviève Balty-Guesdons Studie von 1992 in Arabica trägt die Hinweise auf eine wirkliche Einrichtung mit wirklichem Personal zusammen und plädiert für einen weiteren Aufgabenbereich, einschließlich astronomischer Arbeiten unter al-Maʾmūn 9. Worin beide Seiten übereinstimmen, ist eng und sollte genau benannt werden: Ein Amt namens bayt al-ḥikma hat bestanden; es hatte einen Leiter (Salm, der im Fihrist als ṣāḥib bayt al-ḥikma erscheint und der auf al-Maʾmūns Bücherkauf-Gesandtschaft nach Byzanz geschickt wurde); es verwahrte Handschriften. Nirgends bezeugt ist dagegen ein Stab besoldeter Griechisch-Arabisch-Übersetzer, der darin gearbeitet hätte.
Die Berichtigung ist mehr als Pedanterie. Die Akademie-Erzählung macht aus der Übersetzungsbewegung ein Staatsprojekt mit Gebäude und Eröffnungsdatum – etwas, das ein Kalif beschlossen hat. Tatsächlich geschah ein Markt: zwei Jahrhunderte einzelner Aufträge, von namentlich bekannten Förderern, über namentlich bekannte Bücher, zu ausgehandelten Preisen, getragen über mindestens acht Kalifate und durch einen Bürgerkrieg hindurch, und zwar gerade deshalb, weil das Ganze weder von einer einzelnen Einrichtung noch von der Begeisterung eines einzelnen Herrschers abhing. Deshalb hielt es.
Die Werkstätten
Die Arbeit wurde von Familien und Zirkeln geleistet, die meisten christlich, einer heidnisch.

| Datum | Übersetzer | Werk | Auftraggeber |
|---|---|---|---|
| um 750 | Ibn al-Muqaffaʿ (gest. 756) | Porphyrios' Isagoge; Aristoteles' Kategorien, De interpretatione, Erste Analytik (Kompendium) | Hof al-Manṣūrs |
| um 775–785 | Timotheos I., nestorianischer Patriarch (gest. 823) | Aristoteles' Topik | Kalif al-Mahdī |
| um 786–809 | Sallām al-Abrash | Aristoteles' Physik | Hof Hārūn al-Rashīds |
| um 790 | al-Ḥajjāj ibn Yūsuf ibn Maṭar | Euklids Elemente, erste arabische Fassung | Yaḥyā ibn Khālid, der Barmakide |
| 827–828 | al-Ḥajjāj ibn Yūsuf ibn Maṭar | Ptolemaios' Almagest, aus dem Griechischen | Kalif al-Maʾmūn |
| um 813–833 | al-Ḥajjāj ibn Yūsuf ibn Maṭar | Euklids Elemente, zweite, straffere Fassung | Kalif al-Maʾmūn |
| um 840 | Ustāth, im Kreis al-Kindīs | Aristoteles' Metaphysik | al-Kindī |
| um 840 | Anonym, Kreis al-Kindīs | Plotin, Enneaden IV–VI, als Theologie des Aristoteles; Proklos, als Buch über das reine Gute | al-Kindī |
| um 830–873 | Ḥunayn ibn Isḥāq und seine Werkstatt | Rund 100 Werke Galens, ins Syrische, ins Arabische oder in beides | Ärzte, die Banū Mūsā, Kalifen |
| um 860–901 | Thābit ibn Qurra | Archimedes; Apollonios, Kegelschnitte; Überarbeitungen Euklids und des Almagest | Die Banū Mūsā |
| gest. 911 | Isḥāq ibn Ḥunayn | Aristoteles' Physik, Metaphysik (Überarbeitung), De anima, Nikomachische Ethik, Zweite Analytik (syrisch) | Verschiedene |
| um 930 | Abū Bishr Mattā ibn Yūnus (gest. 940) | Aristoteles' Zweite Analytik und Poetik, aus dem Syrischen | Die Bagdader Schule |
| gest. 974 | Yaḥyā ibn ʿAdī | Aristoteles' Topik, Sophistische Widerlegungen, Poetik; Platons Gesetze | Die Bagdader Schule |
| um 1000 | al-Ḥasan ibn Suwār (942–1017) | Redaktionelle Rezension des arabischen Organon | Er selbst |
In dieser Tabelle werden vier Dinge sichtbar, die die Akademie-Erzählung verbirgt.
Das erste ist, dass der christliche Anteil erdrückend ist. Ḥunayn ibn Isḥāq (808–873), die zentrale Gestalt der Bewegung, war Nestorianer aus al-Ḥīra, aus dem arabischen Christenstamm der ʿIbād. Sein Sohn Isḥāq, sein Neffe Ḥubaysh ibn al-Ḥasan und sein Mitarbeiter ʿĪsā ibn Yaḥyā waren Nestorianer. Qusṭā ibn Lūqā, der aus Baalbek nach Bagdad heraufkam, war Melkit. Abū Bishr Mattā war ein im Kloster Dayr Qunnā ausgebildeter Nestorianer. Yaḥyā ibn ʿAdī war Jakobit. Ibn Zurʿa, Ibn al-Samḥ, Ibn al-Ṭayyib – sämtlich Christen. Thābit ibn Qurra (um 826–901), der die schwierigste Mathematik leistete, war ein Sabier aus Harran: Angehöriger eines hellenisierten heidnischen Sternkults, der innerhalb des Kalifats überlebte, indem er sich mit den im Koran genannten „Sabiern“ gleichsetzte und so den Schutzstatus beanspruchte 10.
Das zweite ist, dass ein großer Teil des Arabischen über das Syrische und nicht aus dem Griechischen kam. Abū Bishr Mattā, der dem Arabischen seine Zweite Analytik und seine Poetik gab, las überhaupt kein Griechisch; er arbeitete nach dem Syrischen des Isḥāq ibn Ḥunayn 11. Ḥunayn selbst fertigte regelmäßig eine syrische Fassung für seine christlichen Kollegen und eine arabische für seine muslimischen Auftraggeber an, und seine Risāla – ein kommentiertes Verzeichnis seines eigenen Arbeitslebens, um 856 an den Förderer ʿAlī ibn Yaḥyā ibn al-Munajjim gerichtet – hält fest, welche der 129 galenischen Titel er in welcher Sprache bearbeitet, welche er überarbeitet und wessen frühere Versuche er für schlecht gehalten hatte 12.
Das dritte ist die Methode. Ḥunayns Verfahren bestand, wie er es beschreibt, darin, mehrere griechische Handschriften zusammenzutragen, sie zu einem berichtigten Leitexemplar zu kollationieren und erst dann zu übersetzen – dem Sinn nach, nicht Wort für Wort. Es ist erkennbar Textkritik, drei Jahrhunderte bevor es den Ausdruck gab, und es ist der Grund, weshalb der arabische Galen stellenweise ein besserer Zeuge des Griechischen ist als das erhaltene Griechisch.
Das vierte ist die Abfolge. Die Pariser Handschrift Arabe 2346, um das Jahr 1000 von al-Ḥasan ibn Suwār abgeschrieben, trägt zu jedem Text drei Kolophone. Das erste nennt den ursprünglichen Übersetzer – Isḥāq ibn Ḥunayn für die Kategorien. Das zweite hält fest, dass Ibn Suwār nach dem Autograph des Yaḥyā ibn ʿAdī abschrieb, das Yaḥyā selbst gegen Isḥāqs Original kollationiert hatte. Das dritte verzeichnet eine weitere Kollation gegen die Abschrift des Ibn Zurʿa. Henri Hugonnard-Roche nennt den Kodex das Gedächtnis von vier Jahrhunderten philologischer Arbeit, das „die Erinnerung an diese Assimilation in nebeneinandergestellten Schichten“ bewahre 13. Es ist ein einziges Buch, das die gesamte Überlieferungskette zeigt.
Was eine Übersetzung kostete
Das Geld ist keine Nebensache; es ist der Mechanismus.
- Von den Brüdern Banū Mūsā – Muḥammad, Aḥmad und al-Ḥasan, Söhne eines zum Astronomen gewandelten Straßenräubers und die reichsten privaten Förderer der Wissenschaft im 9. Jahrhundert – wird berichtet, sie hätten Übersetzer für 500 Dinar im Monat gehalten.
- Ibn Abī Uṣaybiʿa, der im 13. Jahrhundert in Damaskus schrieb, berichtet, Ḥunayn sei das Gewicht seiner fertigen Bücher in Gold entlohnt worden. Er fügt eine Einzelheit hinzu, die kein Legendenbildner erfunden hätte: Ḥunayns Schreiber al-Azraq habe deshalb in breiter Schrift, mit dicken Strichen und weit auseinanderliegenden Zeilen, auf Blättern von zwei- bis dreifacher Normalstärke geschrieben. Ibn Abī Uṣaybiʿa sagt, er habe solche Bände selbst in der Hand gehabt und einige besessen 14.
- Von al-Maʾmūn wird berichtet, er habe eine Gesandtschaft zum byzantinischen Kaiser geschickt – darunter al-Ḥajjāj ibn Maṭar, Yūḥannā ibn al-Biṭrīq und Salm vom bayt al-ḥikma –, um in den byzantinischen Bibliotheken alte Bücher auszuwählen und mitzubringen 7.
Die Geschichte vom Gold nach Gewicht ist ein Bericht des 13. Jahrhunderts über eine Praxis des 9. und sollte als Mengenangabe mit Abstand behandelt werden. Als Beschreibung des Gewerbes ist sie genau richtig. Übersetzen war im Bagdad des 9. Jahrhunderts ein einträglicher Beruf mit umkämpftem Markt, Qualitätsstreitigkeiten, Plagiatsvorwürfen und Preisverhandlung. Das, und nicht eine königliche Stiftung, hat ihn zweihundert Jahre getragen.
Was sich änderte und was ersetzt wurde
Ein Arabisch, das „Hypotenuse“ sagen konnte
Die erste und unscheinbarste Veränderung ist lexikalisch. Für diesen Stoff gab es keinen arabischen Fachwortschatz; die Übersetzer bauten einen, und er ist bis heute in Gebrauch.
Sie hatten drei Möglichkeiten und nutzten alle drei. Sie bildeten Lehnübersetzungen: falsafa für φιλοσοφία, hayūlā für ὕλη (Materie), usṭuqus für στοιχεῖον (Element), mūsīqā für μουσική. Sie dehnten einheimische Wurzeln: ʿaql für den Intellekt, jawhar für die Substanz, ʿaraḍ für das Akzidens, mawḍūʿ für das Subjekt, maḥmūl für das Prädikat, qiyās – ein im islamischen Rechtsdenken bereits tragender Begriff, wo er den Analogieschluss bezeichnete – für den Syllogismus. Und sie erfanden, am folgenreichsten in der Mathematik: al-jabr, die Wiederherstellung einer abgezogenen Größe auf beiden Seiten einer Gleichung, nach dem Titel von al-Chwarizmis Kitāb al-jabr wa-l-muqābala aus den 820er Jahren.
Dieser Wortschatz wanderte danach weiter, und ein überraschender Teil davon liegt dem Leser bereits im Mund:
- Algebra (al-jabr), Algorithmus (nach al-Chwarizmis eigenem Namen), Alkali (al-qily), Alkohol (al-kuḥl), Alchemie, Ziffer und Null (beide aus ṣifr)
- Zenit (samt al-raʾs), Nadir (naẓīr), Azimut (al-sumūt)
- Aldebaran (al-dabarān), Altair (al-ṭāʾir), Beteigeuze (eine Verballhornung von yad al-jawzāʾ), Rigel (rijl), Wega (al-nasr al-wāqiʿ), Deneb (dhanab)
- Almagest – Ptolemaios' Mathematische Syntaxis ist der ganzen Welt unter einer arabischen Verballhornung bekannt, al-majisṭī, eines griechischen Superlativs, den die Griechen selbst nicht als Titel gebrauchten
Der letzte Punkt ist ein kleines Denkmal. Das einflussreichste je geschriebene astronomische Werk trägt in jeder europäischen Sprache die Fingerabdrücke der Bagdader Übersetzer 15.
Die lexikalische Arbeit war nicht mechanisch, und die Übersetzer wussten, dass sie Gesetze gaben. Ḥunayns Generation stritt darüber, ob qiyās das Gewicht des aristotelischen Syllogismus tragen könne, wo es bereits den juristischen Analogieschluss bedeutete, und darüber, ob ein griechischer Terminus zu transkribieren oder für ihn eine arabische Wurzel zu finden sei. Gerhard Endress' Überblick über die wissenschaftliche Literatur verfolgt die Vereinheitlichung über zwei Jahrhunderte: ein unsteter Wortschatz im Kreis al-Kindīs der 840er Jahre, ein weitgehend gefestigter zur Zeit der Bagdader Aristoteliker hundert Jahre später 27. Was da gebaut wurde, war kein Glossar, sondern die Fähigkeit einer Sprache, eine Argumentation zu tragen, die sie nie hatte tragen müssen.
Die falsafa und die Wissenschaften, die ihren Quellen entwuchsen
Was die Übersetzungen hervorbrachten, war keine Kommentartradition. Es war ein Forschungsprogramm, das binnen zweier Generationen begann, seine Quellen zu berichtigen.
- Al-Kindī (gest. um 870), der erste Philosoph, der auf Arabisch schrieb, vertrat ausdrücklich, die Wahrheit habe keine Nationalität und sei von jedem Volk anzunehmen, das sie liefere – eine Position, die begründet werden musste, weil sie seinen Lesern nicht selbstverständlich war 16.
- Al-Chwarizmi (gest. um 850) schrieb eine Abhandlung über das Lösen von Gleichungen, die in der Methode weder griechisch noch indisch ist, und einen Satz astronomischer Tafeln, der indisches, persisches und ptolemäisches Material verschmolz.
- Thābit ibn Qurra legte zur Zusammensetzung von Verhältnissen und zur Statik Arbeiten vor, die über Euklid und Archimedes hinausgehen, statt sie zu glossieren.
- Al-Rāzī (gest. um 925) schrieb ein Buch mit dem Titel Zweifel an Galen. Der Titel ist das Argument.
- Ibn al-Haytham (gest. um 1040) zerstörte den griechischen Konsens, das Sehen arbeite mit Strahlen, die vom Auge ausgehen – gehalten von Euklid, Ptolemaios und Galen gleichermaßen –, und ersetzte ihn durch eine auf kontrolliertem Versuch gegründete Intromissionstheorie.
- Ibn Sīnā (gest. 1037) schrieb den Qānūn fī l-ṭibb, der sechshundert Jahre später an europäischen medizinischen Fakultäten noch immer Pflichtlektüre war.
Der Zusammenstoß mit den einheimischen Wissenschaften verlief nicht immer friedlich, und er brachte eine glänzende Szene hervor. Um 932 stritt im Majlis des Wesirs Ibn al-Furāt in Bagdad der christliche Logiker Abū Bishr Mattā ibn Yūnus mit dem arabischen Grammatiker Abū Saʿīd al-Sīrāfī darüber, ob die griechische Logik ein allgemeingültiges Werkzeug des Denkens sei oder bloß die verkleidete Grammatik einer bestimmten toten Sprache. Al-Sīrāfī gewann nach dem bei al-Tawḥīdī bewahrten Bericht nach Punkten vor einem parteiischen Publikum und trug einen Einwand vor, der nie ganz verschwunden ist. Es ist die früheste überlieferte Auseinandersetzung darüber, ob ein entlehntes Denksystem ein Allgemeingültiges ist oder eine Provinzialität mit Krone, und die entlehnende Kultur hat sie selbst in Szene gesetzt.
Einrichtungen, gebaut aus übersetzten Büchern
Wortschatz und Argumentation sind die sichtbaren Veränderungen. Die strukturelle Veränderung besteht darin, dass Bagdad dauerhafte Einrichtungen schuf, deren ganzer Daseinsgrund der eingeführte Stoff war, und dass diese Einrichtungen das Übersetzen überdauerten.
- Das Krankenhaus. Unter Hārūn al-Rashīd wurde in Bagdad ein Bīmāristān eingerichtet, besetzt nach dem Vorbild Gundischapurs und geleitet von Ärzten der Familie Bukhtīshūʿ, mit Lehre, Krankensälen und Apotheke. Die dort gelehrte medizinische Theorie war die Galens, in Ḥunayns Arabisch. Pormann und Savage-Smith verfolgen die Einrichtung von dort aus durch die islamische Welt und im 12. Jahrhundert bis ins lateinische Europa 28.
- Die Sternwarte. Al-Maʾmūn begründete etwa ab 828 Beobachtungsprogramme im Bagdader Viertel Schammāsiyya und wenige Jahre später auf dem Berg Qāsiyūn über Damaskus. Ihr Ergebnis, der Zīj al-mumtaḥan – die „geprüften Tafeln“, zusammengestellt unter Yaḥyā ibn Abī Manṣūr –, ist genau das, was der Name sagt: Ptolemaios' Parameter gegen frische Beobachtung geprüft und berichtigt, wo sie versagten. Die Übersetzung des Almagest war nicht das Ende des Vorhabens. Sie war das Lastenheft.
- Die vermessene Erde. Um 830 zogen al-Maʾmūns Astronomen in die Ebene von Sindschar in Obermesopotamien hinaus und maßen die Länge eines Meridiangrades durch unmittelbare Vermessung; sie erhielten einen Wert von etwa sechsundfünfzig zwei Drittel arabischen Meilen. Es ist ein Versuch, den Ptolemaios' Text möglich macht und nicht durchführt.
- Die Bibliographie. 987 stellte ein Bagdader Buchhändler namens Ibn al-Nadīm den Fihrist zusammen, zehn Abhandlungen mit dem Versuch, jedes auf Arabisch geschriebene Buch zu verzeichnen, samt allem, was er über die Verfasser erfahren konnte, einschließlich systematischer Angabe, was übersetzt worden war, von wem, aus welcher Sprache und wie gut 7. Eine Universalbibliographie ist nur in einer Stadt denkbar, deren Büchermarkt groß genug ist, um eine zu brauchen, und sie bleibt die wichtigste Quelle für alles in diesem Eintrag.
Der Widerstand gegen die falsafa und was die aufnehmende Kultur mit ihm anfing
Ein entlehntes System bringt seine eigenen Kritiker hervor, und die arabischen waren furchteinflößend. Al-Sīrāfīs Angriff auf die Logik von 932 war der Eröffnungszug; die anhaltende Kritik kam von Theologen, die den Stoff gründlich gelesen hatten. Al-Ghazālī (gest. 1111) verfasste eine gewissenhafte Zusammenfassung der Positionen der Philosophen, bevor er die Widerlegung schrieb, nach dem Grundsatz, dass man nicht angreifen darf, was man nicht wiedergeben kann. Ibn Ruschd (gest. 1198) schrieb daraufhin eine Widerlegung der Widerlegung. Das ist keine Kultur, die eine fremde Einfuhr zurückweist; es ist eine Kultur, die eine Einfuhr gründlich genug aufgenommen hat, um über sie in den eigenen Begriffen eine erstklassige Auseinandersetzung zu führen – dieselbe Auseinandersetzung, die das lateinische Europa ein Jahrhundert später, in Übersetzung, beginnen sollte.
Die Bibliothek, die ihre Originale überlebte
Ein Teil des griechischen Korpus existiert heute nur, weil Bagdad dafür bezahlt hat.
| Werk | Zustand im Griechischen | Überliefert durch |
|---|---|---|
| Apollonios von Perge, Kegelschnitte, Bücher V–VII | Verloren | Thābit ibn Qurras Arabisch, herausgegeben von den Banū Mūsā; die Handschrift liegt in Leiden |
| Ptolemaios, Planisphaerium | Verloren | Ein anonymes Arabisch des 9. Jahrhunderts; Latein aus dem Arabischen von Hermann von Kärnten, 1143 |
| Ptolemaios, Optik | Verloren | Latein, im Sizilien des 12. Jahrhunderts aus dem Arabischen übersetzt |
| Alexander von Aphrodisias, Über die Prinzipien des Alls | Verloren | Syrisch und Arabisch |
| Themistios, Paraphrase des Lambda-Buches der Metaphysik | Verloren | Arabisch (und Hebräisch aus dem Arabischen) |
| Galen, Über die einfachen Heilmittel, Teile der Bücher VI–IX | Verloren | Das Syrische des Sergius von Reshʿaynā, in einem Palimpsest |
| Porphyrios, Kommentare zur Physik und zur Nikomachischen Ethik | Verloren | Arabische Testimonien |
Nathan Sidolis und J. L. Berggrens Ausgabe des arabischen Planisphaerium macht den allgemeinen Punkt greifbar: Bei einem solchen Werk ist das Arabische keine Übersetzung des Textes, es ist der Text, und die editorischen Probleme sind die eines primären Zeugen 17. Dasselbe gilt für die letzten drei Bücher der Kegelschnitte, wo Roshdi Rasheds kritische Ausgabe nach dem Arabischen arbeitet, weil es nichts anderes gibt, wonach zu arbeiten wäre 18.
Toledo, dreihundert Jahre zu spät
Europa betritt diese Geschichte am Ende, und als Kunde.
Etwa ab 1120 zogen lateinische Gelehrte nach Spanien und Sizilien, um an den arabischen Stoff heranzukommen. Adelard von Bath übersetzte al-Ḥajjājs Euklid. Gerhard von Cremona (um 1114–1187) ging eigens deshalb nach Toledo, weil er den Almagest wollte und es keinen lateinischen gab; er blieb den Rest seines Lebens, vollendete den Almagest 1175 und hinterließ rund siebzig ihm und seinem Team zugeschriebene Übersetzungen, darunter Ibn Sīnās Qānūn als Canon medicinae 19. Der Aristoteles, mit dem Thomas von Aquin in den 1260er Jahren in Paris stritt, war in vielen Fällen in einem mesopotamischen Kloster aus dem Griechischen ins Syrische, in Bagdad aus dem Syrischen ins Arabische, in Toledo aus dem Arabischen ins Lateinische gelangt und erst dann in die Hände eines Dominikaners.
Charles Burnetts Untersuchung des Toledaner Programms zeigt, dass es keine Streuung einzelner Begeisterungen war, sondern ein zusammenhängender Aufbau eines Lehrgangs: Die Übersetzer arbeiteten das arabische Korpus in annähernd jener Reihenfolge durch, in der ein Student es gebraucht hätte, Logik und Mathematik vor der Astronomie, Astronomie vor der Medizin 19. Sie taten mit anderen Worten im 12. Jahrhundert auf Latein, was Bagdad im 9. auf Arabisch getan hatte, und sie benutzten dafür Bagdads Leseordnung.
Die Formel vom „Zurückgeben an Europa“ trifft die Richtung und verfehlt alles Übrige. Niemand in Bagdad hielt irgendetwas für Paris warm. Europa ist es holen gegangen, drei Jahrhunderte später, weil es inzwischen wollte, was Bagdad längst gebaut hatte. Und ein guter Teil dessen, was es holte, war überhaupt nicht griechisch: Der Canon medicinae, der die europäische medizinische Lehre bis ins 17. Jahrhundert beherrschte, stammt von Ibn Sīnā, um 1025 in Persien geschrieben, und die Algebra, die das lateinische Europa lernte, war die al-Chwarizmis.
Was der Preis war
Niemand wurde in diese Übertragung hineinerobert. Keine Bevölkerung wurde durch sie vertrieben, keine Stadt für sie geplündert, niemand versklavt, um sie herzustellen. Die Beteiligten gehörten zu den bestbezahlten Intellektuellen, die je gelebt haben. Eine ehrliche Kostenrechnung muss für diesen Eintrag daher auf die kausale Entfernung achten – und sie findet dennoch eine Rechnung.
Die Miḥna, 833–851
Im Rabīʿ I des Jahres 218 – im Frühjahr 833, vier Monate vor seinem Tod – schrieb al-Maʾmūn an Isḥāq ibn Ibrāhīm, seinen Statthalter in Bagdad, und befahl, Richter und Traditionarier über einen Lehrsatz zu verhören: ob der Koran in der Zeit geschaffen oder ungeschaffen und ewig sei. Wer die Geschaffenheit nicht bejahte, sollte des Amtes enthoben werden, und Schlimmeres. Diese Politik ist als Miḥna, die Prüfung, bekannt. Sie lief unter al-Muʿtaṣim und al-Wāthiq weiter, wurde von al-Mutawakkil etwa ab 848 aufgegeben und 851 förmlich beendet 2920.
- Aḥmad ibn Ḥanbal wurde unter al-Muʿtaṣim verhört, ausgepeitscht und eingekerkert, weil er sich weigerte, den geschaffenen Koran zu bejahen. Er widerrief nicht; die Weigerung machte ihn zur maßgeblichsten Gestalt des sunnitischen Traditionalismus und gab einer bis heute bestehenden Rechtsschule den Namen 21.
- Aḥmad ibn Naṣr al-Khuzāʿī wurde 846 wegen eines geplanten Aufstands in Bagdad verhaftet, zu al-Wāthiq nach Samarra geschickt, über denselben Lehrsatz befragt und vom Kalifen eigenhändig hingerichtet. Sein Kopf wurde in Bagdad zur Schau gestellt, sein Körper jahrelang in Samarra am Galgen belassen. Er ist die eine eindeutige Leiche dieses Eintrags.
- Laufbahnen endeten, Richterstellen blieben unbesetzt, Zeugnisse wurden verweigert, und eine Generation von Gelehrten lernte, dass eine Lehrmeinung ein Vergehen sein konnte.
Wie viel davon auf die Rechnung dieses Eintrags gehört, ist eine echte Frage und darf nicht verwischt werden. Die rationalistische Theologie, die die Miḥna durchsetzte – die muʿtazilitische Lehre vom geschaffenen Koran –, wurde nicht aus Aristoteles gezogen; sie hatte eine eigene einheimische Entwicklung, und John Nawas' Überprüfung der konkurrierenden Erklärungen für al-Maʾmūns Entscheidung kommt zu dem Schluss, dass die geläufigen Darstellungen, die muʿtazilitische eingeschlossen, als alleinige Ursachen der Prüfung nicht standhalten 20. Mit Sicherheit sagen lässt sich Engeres, das gleichwohl erheblich bleibt: Übersetzungsprogramm und Miḥna kamen aus demselben Hof, derselben Regierungszeit, derselben Überzeugung, dass die beweisende Vernunft vom Kalifen zu bestimmen und durchzusetzen sei, und demselben Jahr. Gutas' Deutung des Philhellenismus al-Maʾmūns als Werkzeug kalifaler Autorität macht beide zu zwei Ausdrucksformen einer einzigen Politik 1. Der Atlas schreibt die Miḥna dieser Übertragung nicht als ihr Erzeugnis zu, sondern als ihren Schatten: als den Preis eines Staates, der beschlossen hat, die Vernunft stehe auf seiner Seite.
Ḥunayn ibn Isḥāq, ausgepeitscht und enteignet

Das deutlichste Maß dafür, was die Stellung eines christlichen Übersetzers tatsächlich wert war, ist das, was dem besten von ihnen widerfuhr.
Um 856 gingen konkurrierende Ärzte am Hof al-Mutawakkils gegen Ḥunayn ibn Isḥāq vor. Da sie um seine ikonoklastischen Ansichten wussten, brachten sie ihn dazu, in Gegenwart des Kalifen auf eine Ikone zu spucken. Das Manöver ging vollkommen auf: Es erzürnte den nestorianischen Katholikos, der ihn exkommunizierte, und es erzürnte al-Mutawakkil, der ihn seines Amtes enthob, auspeitschen und einkerkern ließ und sein gesamtes Vermögen einzog – einschließlich der Bibliothek, jener Arbeitssammlung kollationierter griechischer Handschriften, die die stoffliche Grundlage seiner Methode war 22. Nach sechs Monaten kam er frei, wurde ins Amt zurückgeholt und hielt es bis zu seinem Tod 873.
Er war der wertvollste geistige Besitz des Kalifats, und eine einzige Hofintrige genügte, ihn für ein halbes Jahr zu vernichten. Nichts in den Quellen deutet darauf hin, dass jemand dafür bestraft worden wäre.
Die Sprachen, die aufgebraucht wurden
Der tiefste Preis ist der, für den sich kein Opfer benennen lässt, und er fiel auf die Vermittler.
Das Syrische war drei Jahrhunderte lang die Wissenschaftssprache des Nahen Ostens gewesen. Es hatte den Wortschatz, die Schulen, das Personal und einen Vorsprung von zweihundert Jahren vor dem Arabischen im Lesen des Aristoteles. Seine Gelehrten machten sich für das arabische Vorhaben unentbehrlich – und binnen etwa eines Jahrhunderts nach dem Höhepunkt dieses Vorhabens hatte das Syrische aufgehört, eine Sprache zu sein, in der jemand Wissenschaft schrieb. Die Enkel der Übersetzer selbst schrieben auf Arabisch. Das Syrische überlebte als liturgische und gemeindliche Sprache und erlebte im 12. und 13. Jahrhundert eine literarische Wiederbelebung, aber als Träger von Naturphilosophie und Medizin war es erledigt, und erledigt hatte es der eigene Erfolg.
Das Sinnbild ist ein stofflicher Gegenstand. Der syrische Galen-Palimpsest ist eine Handschrift melkitischer liturgischer Hymnen, um das 11. Jahrhundert auf Pergament geschrieben, das abgeschabt worden war. Der abgeschabte Text war eine Abschrift des 9. Jahrhunderts von Sergius von Reshʿaynās syrischer Übersetzung von Galens Über die einfachen Heilmittel. Jemand hat im 11. Jahrhundert Galen auf Syrisch angesehen, befunden, das Pergament sei mehr wert als der Text, und es gewaschen. Die Bücher VI bis IX dieses Untertextes sind seit 2009 durch multispektrale Aufnahmen zurückgewonnen worden, in einem von Peter Pormann und Siam Bhayro geleiteten Vorhaben über 231 Blätter; Teile des griechischen Originals sind verloren, sodass das, was unter der Tilgung gelesen wird, stellenweise der einzige Zeuge ist, den es gibt 23.
Dem Mittelpersischen erging es schlechter. Die sasanidische weltliche Literatur wurde ins Arabische übersetzt und danach in der Ursprungssprache weitgehend nicht mehr abgeschrieben. Das mittelpersische Kalīla wa-Dimna – selbst eine im 6. Jahrhundert für Chosrau I. angefertigte Übersetzung aus dem Sanskrit – ist schlicht verschwunden; jede Fassung auf der Welt, in jeder Sprache einschließlich des Neupersischen, stammt vom Arabischen des Ibn al-Muqaffaʿ aus den 750er Jahren ab. Die arabische Übersetzungsbewegung ist einer der großen Akte der Bewahrung in der Geschichte und einer der großen Akte der Ersetzung, und es ist derselbe Akt.
Es gibt eine dritte Tilgung, weniger stofflich und weiterhin im Gange. Die Männer der obigen Tabelle waren Christen und ein Heide. Ihre Arbeit wird in nahezu jeder populären und in etlichen gelehrten Darstellungen unter „islamische Wissenschaft“ abgelegt – ein Ausdruck, der über die Zivilisation zutrifft und über das Personal in die Irre führt. Die Gemeinschaften, aus denen sie kamen – Kirche des Ostens, syrisch-orthodox, melkitisch, mandäisch, und die verschwundenen Sabier von Harran, deren Sternkult nach dem 11. Jahrhundert aus den Quellen entschwindet –, sind heute im Irak und in Syrien nur noch ein kleiner Bruchteil dessen, was sie waren.
Was dieser Eintrag nicht in Rechnung stellt
Ehrlichkeit über Kosten verlangt zu sagen, was nicht auf der Rechnung steht.
- Die mongolische Plünderung Bagdads 1258. Nach jedem Maßstab eine Katastrophe und ursächlich ohne Zusammenhang mit einem Übersetzungsprogramm, das zweieinhalb Jahrhunderte zuvor geendet hatte. Das oft wiederholte Bild vom Tigris, der von der Tinte ertränkter Bücher schwarz geworden sei, ist ein literarischer Topos in späteren Quellen, kein Befund, und dieser Eintrag verwendet es nicht.
- Der Zandsch-Aufstand, 869–883. Ostafrikanische Agrarsklaven in den Salzflächen des unteren Irak erhoben sich gegen dasselbe Kalifat, in denselben Jahrzehnten, zwanzig Tagesmärsche von den Bibliotheken entfernt, und hielten vierzehn Jahre einen eigenen Staat, bevor er zerschlagen wurde. Der Überschuss, der einem Übersetzer 500 Dinar im Monat zahlte, stammte aus dieser Wirtschaft. Er wird hier benannt, weil ein Eintrag über den geistigen Glanz des Irak im 9. Jahrhundert, der ihn nicht erwähnt, durch Auslassung lügt – und er wird hier nicht in Rechnung gestellt, weil die ursächliche Verbindung durch das gesamte abbasidische Finanzwesen läuft und nicht durch die Übersetzungen.
- Das Ende der Bewegung. Es kursiert eine populäre Erzählung, wonach die arabische Wissenschaft von religiöser Reaktion erdrosselt worden sei, meist mit al-Ghazālī in der Rolle des Henkers. Sie passt nicht zu den Quellen. Das Übersetzen ließ nach etwa dem Jahr 1000 nach, weil die griechischen Bücher, die zu übersetzen sich lohnte, ausgegangen waren und weil die arabische Wissenschaft ihre Quellen hinter sich gelassen hatte – Ibn al-Haytham zur Optik und Ibn Sīnā zur Medizin sind keine Glossen zu griechischen Autoritäten, sie sind deren Ersatz. Gutas vertritt das unmittelbar; George Saliba, der mit Gutas in vielem anderen nicht übereinstimmt, vertritt es ebenfalls 24. Die beste wissenschaftliche Arbeit auf Arabisch kam in der Astronomie nach dem Ende der Übersetzungen, nicht davor.
- Die Wanderung „von Alexandria nach Bagdad“. Max Meyerhofs berühmter Aufsatz von 1930 zeichnete eine leibhaftige Verlegung der alexandrinischen Philosophenschule nach Antiochia, dann Harran, dann Bagdad nach, gestützt auf einen al-Fārābī zugeschriebenen Bericht 25. Es ist eine schöne Geschichte, und sie ist keine Geschichtsschreibung; Gutas hat die Erzählung als eine Selbststilisierung des Bagdad des 10. Jahrhunderts auseinandergenommen, und John Watts Arbeiten zu den syrischen Aristotelikern zeigen, was den Lehrgang tatsächlich trug – Klöster in Obermesopotamien, ununterbrochen arbeitend, ganz ohne Wanderung 2611. Was der Eintrag an Romantik verliert, gewinnt er an Genauigkeit: Die Übertragung war keine Karawane verbannter Professoren. Sie waren zweihundert Jahre bezahlter, gewöhnlicher, äußerst kundiger Arbeit.
Was folgte
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762762: Al-Manṣūr gründet Bagdad am Tigris. Binnen vierzig Jahren ist es die größte Stadt westlich von Chang'an und der einzige Ort der Erde, an dem ein Mann vom Übersetzen aus dem Griechischen leben kann.
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795Um 790: In Bagdad arbeiten Papiermacher unter barmakidischer Förderung. Die Kosten eines langen, überarbeitbaren technischen Prosabuches brechen ein, und die Übersetzungsbewegung wird wirtschaftlich möglich.
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795Um 790: Al-Ḥajjāj ibn Yūsuf ibn Maṭar erstellt für den Wesir Yaḥyā ibn Khālid, den Barmakiden, den ersten arabischen Euklid; für al-Maʾmūn wird er eine zweite, straffere Fassung anfertigen.
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828827–828: Al-Ḥajjāj vollendet den arabischen Almagest und übersetzt Ptolemaios unmittelbar aus dem Griechischen. Der von ihm geprägte Titel – al-majisṭī, nach einem griechischen Superlativ – ist der Name, den das Buch in jeder europäischen Sprache bis heute trägt.
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831Um 828–833: Al-Maʾmūn richtet Beobachtungsprogramme in Schammāsiyya in Bagdad und auf dem Berg Qāsiyūn über Damaskus ein. Ihr Ergebnis, der Zīj al-mumtaḥan, prüft Ptolemaios' Parameter gegen frische Beobachtung und berichtigt sie, wo sie versagen.
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830Um 830: Al-Maʾmūns Astronomen messen in der Ebene von Sindschar durch unmittelbare Vermessung einen Meridiangrad und erhalten rund sechsundfünfzig zwei Drittel arabische Meilen – ein Versuch, den der Almagest möglich macht und nie durchführt.
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833Frühjahr 833: Vier Monate vor seinem Tod befiehlt al-Maʾmūn seinem Statthalter in Bagdad, Richter und Traditionarier darüber zu verhören, ob der Koran geschaffen sei. Die Miḥna beginnt.
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834834: Aḥmad ibn Ḥanbal wird unter al-Muʿtaṣim verhört, ausgepeitscht und eingekerkert, weil er sich weigert, den geschaffenen Koran zu bejahen. Seine Weigerung macht ihn zur zentralen Autorität des sunnitischen Traditionalismus und begründet eine bis heute bestehende Rechtsschule.
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846846: Aḥmad ibn Naṣr al-Khuzāʿī wird von al-Wāthiq in Samarra über denselben Lehrsatz befragt und vom Kalifen eigenhändig hingerichtet. Sein Kopf wird in Bagdad zur Schau gestellt, sein Körper in Samarra am Galgen belassen. Er ist die eine eindeutige Leiche dieses Eintrags.
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851Um 848–851: Al-Mutawakkil gibt die Miḥna auf und beendet sie dann förmlich. Die rationalistische Theologie verliert den Staat, und der Traditionalismus erbt ihn.
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856Um 856: Ḥunayn ibn Isḥāq schreibt seine Risāla für den Förderer ʿAlī ibn Yaḥyā ibn al-Munajjim – ein kommentiertes Verzeichnis von 129 Werken Galens, das festhält, welche er ins Syrische, welche ins Arabische übersetzte, welche er überarbeitete und wessen frühere Versuche er für schlecht hielt.
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857Um 856: Konkurrierende Hofärzte bringen Ḥunayn dazu, vor al-Mutawakkil auf eine Ikone zu spucken. Er wird abgesetzt, ausgepeitscht, eingekerkert und seines Vermögens beraubt, einschließlich der Bibliothek kollationierter griechischer Handschriften, von der seine Methode abhing. Nach sechs Monaten wird er wieder eingesetzt.
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880Um 860–901: Thābit ibn Qurra aus Harran – ein heidnischer Sabier, den die Banū Mūsā hinter dem Stand eines Geldwechslers anwarben – übersetzt Apollonios' Kegelschnitte und überarbeitet Euklid und den Almagest. Die Bücher V bis VII der Kegelschnitte überdauern in seinem Arabisch und in keiner anderen Sprache.
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932Um 932: Im Majlis des Wesirs in Bagdad streitet der christliche Logiker Abū Bishr Mattā mit dem Grammatiker Abū Saʿīd al-Sīrāfī darüber, ob die griechische Logik ein allgemeingültiges Werkzeug des Denkens sei oder die verkleidete Grammatik einer toten Sprache. Al-Sīrāfī gewinnt den Saal.
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987987: Der Buchhändler Ibn al-Nadīm stellt den Fihrist zusammen, einen Katalog in zehn Abhandlungen über jedes auf Arabisch geschriebene Buch, mit systematischer Angabe, was übersetzt worden war, von wem und aus welcher Sprache. Er bleibt die Hauptquelle für die gesamte Bewegung.
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1000Um 1000: Al-Ḥasan ibn Suwār schreibt jene Handschrift ab, die heute in Paris als Arabe 2346 liegt und deren Kolophone den Text der Kategorien über das Autograph des Yaḥyā ibn ʿAdī bis zum Original des Isḥāq ibn Ḥunayn zurückbinden – vier Generationen Kollation, verzeichnet in einem einzigen Kodex.
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1021Um 1021: Ibn al-Haythams Buch der Optik stürzt den griechischen Konsens – den Euklids, Ptolemaios' und Galens gleichermaßen –, das Sehen arbeite mit Strahlen, die vom Auge ausgehen, und ersetzt ihn durch eine auf kontrolliertem Versuch gegründete Intromissionstheorie.
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1025Um 1025: Ibn Sīnā vollendet den Qānūn fī l-ṭibb. Sechshundert Jahre später ist er an europäischen medizinischen Fakultäten noch immer Pflichtlektüre, unter dem lateinischen Titel Gerhards von Cremona, Canon medicinae.
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1050Etwa 11. Jahrhundert: Irgendwo in der melkitisch-christlichen Welt Syriens schabt ein Schreiber eine Abschrift des 9. Jahrhunderts von Sergius von Reshʿaynās syrischem Galen vom Pergament und schreibt liturgische Hymnen darüber. Das Syrische hat aufgehört, eine Sprache zu sein, in der jemand Wissenschaft schreibt.
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11751175: In Toledo vollendet Gerhard von Cremona den lateinischen Almagest aus dem Arabischen. Rund siebzig Übersetzungen werden ihm und seinem Team zugeschrieben. Europa trifft dreihundert Jahre zu spät ein, und als Kunde.
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2009Ab 2009: Multispektrale Aufnahmen gewinnen die Bücher VI bis IX des getilgten syrischen Galen über 231 Blätter zurück, in einem von Manchester und Exeter aus geleiteten Vorhaben. Teile des griechischen Originals sind verloren: Die Tilgung ist stellenweise der einzige Zeuge, den es gibt.
Wo dies heute fortlebt
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